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GEDENKET IM GEBET

† SEINER EMINENZ

Hans Hermann Card. GroËr

 

Kardinal Groer

 

Geboren am 13. Oktober 1919 in Wien

1986 -1995 Erzbischof von Wien

1988 Kardinal

Gestorben am 24. März 2003 in St. Pölten

 

R.I.P.

 

Christi Mutter stand mit Schmerzen

bei dem Kreuz und weint’ von Herzen,

als ihr lieber Sohn da hing.

Durch die Seele voller Trauer,

schneidend unter Todesschauer

jetzt das Schwert des Leidens ging.

 

Ach für seiner Brüder Schulden

sah sie ihn die Marter dulden,

Geißel, Dornen, Spott und Hohn,

sah ihn trostlos und verlassen

an dem blut’gen Kreuz erblassen,

ihren lieben einzgen Sohn.


Ildefons M. Fux

MIT SCHMACH GESÄTTIGT

In memoriam Hans Hermann Kardinal Groër (1919-2003)

 

Hans Wilhelm Groër, am 13. Oktober 1919 in Wien geboren, entstammte einer altösterreichischen Offiziersfamilie. So war sein Denken und Fühlen auch stets seiner Heimatstadt und den geistigen Werten der österreichischen Tradition verbunden. Als Kard. Groer als junger Priester„homo austriacus“ blieb ihm jedwede nationalistische Enge fremd. Im Jahre 1937 maturierte er am Hollabrunner Gymnasium mit Auszeichnung, um danach in das Wiener Priesterseminar als Alumne aufgenommen zu werden. Hier war Dr. Walter Taubert ein geachteter Regens. Die geist-liche Persönlichkeit aber, die alle überragte, war jedoch der Spiritual des Hauses, Universitätsprofessor DDr. Friedrich Wessely (1901-1970). Ich suchte ihn täglich auf. Wie ungezählte andere wurde auch der junge Hochschüler zur Wehrmacht eingezogen und versah ab 17. November 1941 „Innendienst“ als Luftwaffensanitäter, bis ein Herzklappen-fehler manifest wurde und schließlich zu seiner Entlassung am 11. März 1943 führte. Als „Beurlaubter“ empfing er die Priesterweihe am 12. April 1942 in der Andreas-Kapelle des Erzbischöflichen Hauses, der am 19. April die Primiz im Wiener Stephansdom folgen sollte. Prediger war Professor Wessely.1

Seine Tätigkeit als Pfarrvikar von Petronell währte nur kurz. Mit 15. August 1943 wurde er zum Kaplan der Pfarre Vöslau ernannt, die damals noch dem Stift Melk inkorporiert war. Aus Vöslau stammte die erste geistliche Berufung, die er wecken und betreuen durfte; Gertrude Stiasny (im Orden Sr. Berchmana) fand den Weg zu den Schulschwestern in Wien 3, Apostelgasse.

Am 15. August 1946 entsandte Kardinal Innitzer den jungen Priester als Studienpräfekten an das Hollabrunner Knabenseminar, das es nach der Enteignung durch das NS-Regime und nach russischer Besetzung wieder aufzubauen galt. In dieser Zeit vollendete Groër seine Dissertation über das Thema: Die reale ‚objektive’ Gegenwart Gottes in der gerechten Seele aufgrund der Sendungen der göttlichen Personen, und promovierte 1949 zum Doktor der Theologie. Nun war es naheliegend, nach Ablegung der Lehramtsprüfung 1951 am Hollabrunner Gymnasium Religion zu unterrichten; seine Tätigkeit als Religionsprofessor und Studentenseelsorger währte bis 1976. Von 1959 bis 1963 war er auch Kaplan der Stadtpfarre Hollabrunn. Er war bekannt als Mann der Disziplin, der Genauigkeit und der Lehre, aber auch als geschätzter Seelenführer im Beichtstuhl. Das Vorzimmer seiner Dienstwohnung im Seminar war in der Regel bis zu später Stunde „bevölkert“, und kaum ein Jahr, in dem der Name Groër nicht in der Liste der Primizprediger aufgeschienen wäre. Außerschulisch widmete er sich unter vielen Opfern dem Aufbau der Pfadfinderbewegung im katholischen Geist, dann immer mehr jenem der Legion Mariens. Unvergessen bleibt seine Tätigkeit im Studentenpräsidium der Wiener Universität. In seiner inneren Welt erlangte Maria in diesen Jahren eine unangefochtene Dominanz. Er schien für Maria zu leben.

So war die Wiederbelebung der Roggendorfer Marienwallfahrt nur eine logische Konsequenz (1969), ebenso die Übernahme der geistlichen Leitung im Senatus der Legion Mariens für ganz Österreich (1970). In der Kraft seines Glaubens weigerte er sich, auftretende Schwierigkeiten zur Kenntnis zu nehmen. Die Legion Mariens fand so in den Folgejahren eine bisher ungekannte Verbreitung, auch und besonders unter der Jugend. Die Legionszeitschrift „Regina Legionis“ redigierte er bis 1985 selbst, auch unter finanziellen Opfern.

Die aufblühenden Monatswallfahrten in Maria Roggendorf (1971 hatte die niederösterreichische Landesregierung die Namenserweiterung beschlossen) ließen in ihm den Gedanken reifen, das Marienlob und das Gebet für die Kirche in einer kontemplativen Gemeinschaft gleichsam zu „institutionalisieren“. Am 7. September 1975 erfolgte die Grundsteinlegung des Klosters Marienfeld (eingeweiht am 14. November 1982).

Und es war wiederum naheliegend, auch an einen Konvent von Männern zu denken, die ihr Kloster im Ort selbst haben sollten, wozu das Stift Göttweig bereitwillig seine kirchenrechtliche und finanzielle Hilfe versprach. 1976 begann dann auch Monsignore Groër selbst, seit einem Jahr Direktor des von ihm und von Rektor Dr. Josef Kurz initiierten Aufbaugymnasiums der Erzdiözese Wien in Hollabrunn, das Noviziat im Verband der Göttweiger benediktinischen Familie. Jahr für Jahr hatte das Stift die Freude, Einkleidungen und Professablegungen in großer Zahl zu erleben. Vom Nuntius bei späterer Gelegenheit gefragt, bei wie vielen geistlichen Berufen er habe mitwirken dürfen, gab Groër die Antwort, es seien wohl 250 gewesen.

Kard. Groer Erzbischof von Wien    1986 überraschte ihn die Berufung auf den Stuhl des Erzbistums Wien; er wurde nicht nur mit Blumen empfangen, und die Medien übergaben seinen Kritikern gerne Mikrophon und Podium. Das „Diözesanforum“, ein pastoraler Gesprächsvorgang und später von vielen anderen Bistümern nachgeahmt, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Im Marianischen Jahr 1987/1988 offenbarte sich erneut der Eifer des Hirten für die Hinführung des Gottesvolkes zur Mutter der Kirche. Im Juni 1988 durfte er den Heiligen Vater in Wien begrüßen, der ihm am 28. d.M. die Kardinalsinsignien in Rom überreichte. Am 13. März 1989 wählte ihn der österreichische Episkopat zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Sein Tagewerk begann unverändert um 4 Uhr früh; kein Brief blieb unbeantwortet, kein Detail seines vielfältigen Aufgabengebietes unbeachtet. Die Priester hatten Woche für Woche und unangemeldet bei ihm Zutritt. In der Stille trug er Sorge um den Stephansdom, meist auch in Zusammenarbeit mit Bürgermeister Helmut Zilk; in aller Stille pflegte er auch die Auslandskontakte, insbesondere nach der „Wende“. Er verzichtete auf „freie Tage“ – an diesen stand er den Zisterzienserinnen von Marienfeld zu Sermo und Bußsakrament zur Verfügung -, ja selbst auch auf den Urlaub im Sommer. Das „Erfolgsverbot“, mit dem ihn die Mehrzahl der Medien belegt hatte, hat er tapfer getragen. 1991 erhielt er in Christoph Schönborn einen neuen Weihbischof.

Die beiden Kampagnen, die 1995 und 1998 in der Öffentlichkeit gegen ihn geführt wurden und die seinen guten Ruf in aller Welt zerstörten, können hier in ihren Hintergründen und Zusammenhängen nicht dargestellt werden. Nur so viel sei gesagt: Der Kardinal hat Verleumdung, Schmähung und Erniedrigung in beharrlichem Schweigen geduldig ertragen, und vieles an seinem Schicksal erinnert an die Leidensgeschichte Christi. Der Hochbegabte und zugleich äußerst Sensible vermittelte einen Begriff von dem, was die Schrift mit den Worten meint: Mit Schmach gesättigt (vgl. Klgl 3,30). Sein Wirken blieb nun eingeschränkt auf seine umfangreiche Korrespondenz, auf den Empfang zahlreicher Besucher und auf seine Spiritualstätigkeit im Kloster Marienfeld.

Hier feierte er mit den Schwestern noch die Aschermittwochliturgie, um dann am kommenden Tag in jene gesundheitliche Krise zu geraten, die mit seinem Tod im St. Pöltener Krankenhaus enden sollte. Es war am 24. März dieses Jahres, frühmorgens, als es noch dunkel war (vgl. Joh 20,1), und es sollte nicht übersehen werden, dass es sich dabei um genau den achten Jahrestag handelte, nachdem 1995 die öffentliche Kampagne gegen ihn ihren Anfang genommen hatte. Ins Paradies mögen Engel dich geleiten, und wir hoffen, dass Maria, deren Assistenz in der Todesstunde er ungezählte Male erbeten hatte, ihn in den Glanz der anderen Welt hinübergeführt hat. Als der Sarg in die noch von ihm selbst vorbereitete Gruft vor der Abteikirche von Marienfeld hinab gelassen wurde, am 5. April, dem Herz-Mariä-Samstag, war es die Stunde, in der in vielen Pfarrkirchen bereits die Vorabendmessen vom 5. Fastensonntag gefeiert wurden, in denen das Evangelium vom Weizenkorn, das in die Erde gesenkt wird, um vielfältige Frucht zu bringen, zur Verlesung kam. Fiat! Fiat!

 1 Diese Predigt ist veröffentlicht in GOTTGEWEIHT Jg. 15, 2002, S.33-37.


(Gottgeweiht, Jg. 16, 2003, S 54-58.)